TRAGÖDIEN

Analoge Panoramafotografie
2008-2010 | 140x57cm | 160x65cm | 180x73cm

ELFRIEDE JELINEK | Im Wald

„Sind das Tiere? Nein, das sind wire, aber mit Einsprengsel von Tiere. Tiere ohne Machtphantasien, welche nur Menschen haben. Tiere fressen einfach, auch ihre Gegner, wenn nötig. Tiere ermessen ihre Größe nicht, wenn sie sich durchs Unterholz zwängen, ob ohne Zwang oder mit Zwang, etwa weil jemand hinter ihnen herrennt und sie jagt, um sie danach zu besitzen und über sie zu entscheiden, wenn sie nicht mehr rennen können. Sie entscheiden sich daher oft zur Flucht, wozu sollten sie sich sonst entscheiden?, ja, auch zum Angriff, weil sie Hunger haben oder ihres Nächsten Weib begehren, eine nette Hirschkuh zum Beispiel.“

ANNE KATRIN FESSLER | Schicksalsort Wald | Über Marko Zinks Halbwesen in toten Wäldern, das Unheimliche, das Ungewisse und den Wald als Schauplatz und Motiv

„Wer sind also die Halbwesen, die halb Mensch, halb Tier in Zinks „Tragödien“-Serie durch die Wälder streunen? Manche von ihnen aufgeschreckt wie wilde Tiere, andere herumirrend, Zuflucht suchen, wie Menschen, die hier nichts verloren haben. Sind es die „Wilden“, also jene, die im Wald leben? Sind es verirrte Seelen oder womöglich sogar Unerschrockene, die wie die Ritter einst auszogen, damit der Wald sie verändere, ihnen Erkenntnis schenke?

Dort, wo die gelblichen Eschenstämme von den moosüberwachsenen des Bergahorns abgelöst wurden, wo im Schatten ihrer mächtigen Kronen Traubenkirsche, Hasel und Pfaffenhütchen ein dichtes Unterholz bildeten, fühlte er sich am wohlsten. Er liebte die Stellen, die aussahen, als hätte sie seit Jahren kein menschlicher Fuß betreten. Er setzte sich auf einen Stein oder einen morschen Stamm oder einfach auf den weichen Waldboden und versuchte, Teil des Waldes zu werden,  lässt Martin Suter seinen Protagonisten Urs Blank sprechen. Blank ist einer, der auszog, um im Wald gewissermaßen sein (verlorenes) Ich (wieder) zu finden.

Marko Zink hat seinen Protagonisten jedoch wie in der antiken griechischen Tragödie Masken verpasst und sie damit nicht nur ent-individualisiert, sondern in Gestalt eines Tieres – selbst wenn die sprichwörtlich weise Eule untern ihnen ist – noch hilfloser gemacht als den schuldlos Schuldigen der griechischen Tragödie; denn dessen Schicksal ist in seinem Charakter oder in der Konstellation seiner Figur begründet. Das Tier aber kann seinem Wesen nach gar nicht schuldig werden und muss es doch: Sein Scheitern ist unausweichlich, denn alles steuert in der Tragödie auf die Katastrophe hin. Allerdings scheint sich diese in manchen von Zinks Fotos längst ereignet zu haben: nur vage schimmert da und dort die Erinnerung an einstige Idyllen durch; es überwiegt die bedrohliche Stille nach dem Supergau. Oder ist die tierische Maske womöglich ein Versuch sich von der Schuld eines Menschen reinzuwaschen?“

PUBLIKATION

KATALOG | Blinde Flecken | Verlag Luftschacht (vergriffen)

AUSSTELLUNGEN | AUSWAHL | Kavana Lazareti Dubrovnik | Galerie Michaela Stock | Galerie Lisi Hämmerle | widmertheodoridis Zürich | Kaunas Star Award Litauen | Galerie AllerArt | Hauptmotiv „Europäischer Monat der Fotografie – eyes on“ Wien | MSU Zagreb | Palais Thurn & Taxis | Galerie Bildraum 07 | Galerie 12-14 Wien | Mona Detroit

AUSSTELLUNGSPHOTOS | Gerd Franz Josef Winkler