IN DER MASCHINE

Analoge Fotografie
2002-2006 | 90x60cm

ELFRIEDE JELINEK | In der Maschine

„So, mit einer Maschine kann man auch teilen, man kann sich mit einer Maschine die Arbeit teilen, die man selber ist. Das ist einfacher, denn der Maschine wird gesagt, was sie tun soll. Der Betreiber der Maschine sagt es ihr. Es ist nicht so gedacht, daß man in sie hineinkriecht, weil man schon vorher weiß, daß man nie ganz reingehen wird. Die Maschine ist uns ein Rätsel, sich selbst ist sie nichts, weil ihr ja, wie schon gesagt, wiederum immer gesagt wird, was sie machen soll. Einer sagt es dem andern, er sagt es weiter. Die Maschine sagt nichts weiter, sie ist ein ausführendes Organ, dem manchmal Menschenorgane irgendwo herausstehen, weil der Mensch nicht mehr ganz hineingegangen ist in das Gerät und die Organe nicht ganz in ihn, er ist teilweise draußen geblieben. Er mußte zum Teil draußen bleiben. Um wenigstens vor der Tür seine Menschlichkeit zu retten? Da gibt es nichts zu retten.“

WOLFGANG HUBER LANG | Alle Schubladen offen | Drei Wegweiser zum neuen Projekt von Marko Zink

Ein Riesenfrosch am Rande eines Teiches, inmitten grünen Dickichts kaum zu entdecken.
Menschliche Extremitäten, die aus eingebauten Küchengeräten herausragen.
Eine Tonpostkarte wie ein Wiedergänger aus einer längst verstrichenen Zeit.
Ein leeres Theater, auf dessen Bühne sich der Teller eines Plattenspielers dreht.
Ein Porträt, das einen Mann auf einen von der Decke hängenden Bubble Chair aus Acrylglas zeigt, neben ihm eine berühmte Dichterin, die eine Hasenmaske wie eine Mütze aufgesetzt hat.

Was soll das?
Und wie hängt das alles zusammen?
Gute Fragen.
Zu möglichen Antworten führen mehrere Wege.

Einer davon ist ein sehr persönlicher.
„Ich bin nahezu besessen von ihr“, sagt der Künstler Marko Zink über die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. „Die Liebhaberinnen“ war das erste Buch, mit dem er einen Zugang zu Literatur fand. Im Studium beschäftigte er sich intensiv mit ihr und schrieb seine Diplomarbeit über ihre Preisreden. Eines Tages kontaktierte er sie über ihre Website und wollte sie für zwei seiner Fotoserien interessieren. Ausgemacht wurde, er dürfe ein paar Kataloge vor ihrer Türe deponieren. Als sich diese Türe unerwartet öffnete, wurde eine sehr schöne persönliche Begegnung daraus. Und Marko Zink bekam kurz darauf per Mail ein Geschenk. Zwei Texte von Elfriede Jelinek. „Im Wald: tragödien“ und „In der Maschine“. Zur persönlichen Verwendung des Künstlers. Dreizehn Jahre später ist nun der Zeitpunkt dafür gekommen.

Ein anderer Weg ist weniger geradlinig und führt über die Vielfalt der Medien.
Marko Zink ist Fotograf. Ein Fotograf, der weder seinem eigenen Auge noch jenem der Kamera traut. Er kocht seine Filme, behandelt und beschädigt sie. Er bringt dadurch Dinge zum Vorschein, die sich unter herkömmlichen Umständen unserer Wahrnehmung entziehen. Marko Zink ist auch Regisseur. Er arrangiert Objekte und gestaltet Szenen. Er inszeniert sich. Er gibt unserer Fantasie Anstöße. Er lässt sämtliche Schubladen, in die man ihn stecken möchte, offen und bedient sich ihrer Inhalte, um kreative Verwirrung zu stiften. Er bedient sich der Masken und des Theaters. Durch Bewegung gibt er einem Text Raum. Es ist der leere Raum. Die Theater sind leer. Das von der Dichterin aufgenommene Wort wartet auf seine Aufnahme durch das Publikum. Und alles dreht sich im Kreis.

Der dritte Weg führt über unsere Sicht der Wirklichkeit.
Marko Zink erzählt in seinen Arbeiten Geschichten. Es sind Ungereimtheiten, die man sich selbst zusammenreimen muss. Er ist ein Konstrukteur von Wirklichkeit, fügt Dinge zusammen, die einander zuvor fremd waren. Elfriede Jelinek ist eine Dekonstruktivistin. Sie zerlegt Vorgefundenes und angeblich Untrennbares in die Einzelteile, macht dadurch verborgenes Innenleben sichtbar. Bei der Lektüre der beiden Texte Jelineks wird klar: Sein künstlerischer Ansatz und ihr literarischer Zugriff, scheinbar gegensätzlich, ergänzen einander in Wahrheit kongenial. Was Zink zeigt, bringt Jelinek zum Ausdruck. Was ist der Mensch? Vor allem dann, wenn er einmal halb Tier, ein andermal halb Maschine zu sein scheint? Welcher Teil bliebe dann noch für uns selbst? „Die andre Hälfte hat die Absicht, Sie zu verwirren, bis Sie nicht mehr wissen, wer Sie sind, bis Sie gegen andre völlig gleichgültig geworden sein werden, weil die andren anders aussehen“, schreibt Elfriede Jelinek. „Sie aber sehen jetzt schon ganz anders aus!“

Essay zur Ausstellung „in der Maschine“ im Salon Real/Virtual in der Galerie Michaela Stock | 02.09. -29.10.2021

VERÖFFENTLICHUNG

Zur Ausstellung erscheint eine limitierte Sonderedition von 25 Stück. Diese beinhaltet eine signierte, gerahmte Fotografie aus der Serie „in der maschine“ von Marko Zink (27 x 21,50cm) und eine Vinyltonbildpostkarte. LIMITIERTE SONDEREDITION

AUSSTELLUNG | Schauspielhaus Graz

AUSSTELLUNGSFOTOS | Simon Reithofer | Gerd Franz Josef Winkler

→ LINK ZUR AUSSTELLUNG

AUSSTELLUNG | Galerie Michaela Stock

AUSSTELLUNGSVIDEO | Gerd Franz Josef Winkler

AUSSTELLUNGEN | AUSWAHL | Galerie Michaela Stock | Galerie Bildraum 07 | Palais Thurn und Taxis | Rotlicht Festival | viennacontemporary | Schauspielhaus Graz