M 48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E

Analoge Fotografietechniken, 2017-2019

Hier für den detaillierten Ausstellungsfolder der KZ Gedenkstaette Mauthausen klicken: Ausstellungsfolder_KZ Gedenkstaette Mauthausen_MarkoZink

Ausstellungsansicht: Galerie Michaela Stock, 24.01. – 02.03.2019

Ausstellungsfotos von Matthias Bildstein

Wolfgang Huber Lang: M 48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E

„Mauthausen. In Österreich, wahrscheinlich auch im übrigen Europa, möglicherweise sogar auf der ganzen Welt, kann dieser oberösterreichische Ortsname mit fast 1000-jähriger Geschichte niemals wieder neutral gehört werden. Im Konzentrationslager Mauthausen und seinen Außenlagern sind zwischen 1938 und 1945 mindestens 90.000 Menschen zu Tode gekommen.
Der Ausstellungstitel könnte sachlicher nicht sein M 48° 15’ 24.13’’ N, 14° 30’ 6.31’’ E, es handelt sich um die Koordinaten von Mauthausen. Es geht Marko Zink nicht um Dokumentation, sondern um Irritation. Er zwingt zum genauen Hinsehen und eröffnet eine vielschichtige Auseinandersetzung. Mit fotografischen Mitteln versucht er ein zweifaches Verschwinden sichtbar zu machen: die Auslöschung von Menschen und die Tilgung von Erinnerung. Eine intensive Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die nicht verjährt.

 Die von Marko Zink gewählte Kunstform ist die analoge Fotografie. Er bearbeitet seine Filme, ehe er sie belichtet. Er kocht oder stanzt sie, behandelt sie mit Chlor oder Tintentod. Mit diesem filigranen Filmmaterial fotografiert er ausgewählte Orte in- und außerhalb des ehemaligen Konzentrationslagers.
Präsentiert werden die Fotos in unterschiedlichen Ausarbeitungen, etwa als Panoramaaufnahmen, als Lamellenbilder, auf denen die Perspektiven sprunghaft wechseln, aber auch als konzeptionelle Weiterverarbeitungen. So zeigt Zink einen Raum, in dem 500 Häftlinge untergebracht waren, in einem Raster aus 500 Einzelaufnahmen mit jeweils leicht verschobener Perspektive – symbolhaft für 500 Augenpaare, die hier einst durch das Fenster sahen: „Der Blick ins Nichts.“
Manchmal wirken Zinks Fotoarbeiten wie historische Fundstücke, rasch und heimlich aufgenommen, ausgebleicht von der Sonne, halb zerstört durch die Einwirkungen der Zeit. Manchmal scheinen die Fotos mit ihren Beschädigungen auf einer eigenen Ebene von jenem Ungeheuerlichen zu berichten, das sich hier vor weniger als acht Jahrzehnten zugetragen hat. Und manchmal scheint auf ihnen etwas sichtbar zu werden, was nur scheinbar nicht mehr zu sehen ist.

 Marko Zink erinnert uns mit seiner Arbeit daran, dass es möglich ist: Was an das Vergangene erinnert, und was vor dem Kommenden warnt – es ließe sich alles sehen. Wenn wir nur wollen.“

Text erscheint im gleichnamigen Katalog: M (48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E) – August 2019. Autorinnen: Felicitas Thun-Hohenstein, Wolfgang Huber Lang, Thomas Licek, Gudrun Blohberger, Bertrand Perz, Christian Dürr, Felicitas Heimann-Jelinek, Marija Nujic und Barbara Glück